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E-Mail an Leserbrief-Redaktion der FAZ vom 22. August 2007

Sehr geehrte Damen und Herren,

unter der Überschrift „Merkel verteidigt Grönlandreise“ veröffentlichten Sie am 20. August 2007 u. a. die Ergebnisse einer vom BUND in Auftrag gegebenen Forsaumfrage, die ergab, dass „Klimapolitik den Deutschen ein zunehmend wichtiges Anliegen ist.“ Danach wollen zwei Drittel der Befragten, dass „mehr für den Klimaschutz“ getan wird. Ein etwa gleicher Prozentsatz will keine „klimaschädlichen“ Kohlenkraftwerke und fordert außerdem strenge Tempolimits auf der Autobahn.

Eine solche Reaktion der Befragten provoziert geradezu eine Frage: Was wissen die Bürger unseres Landes eigentlich wirklich über die Themen, über die sie – ach so „demokratisch“! – ihre Meinung kundtun dürfen, auf dass die Politik sich danach richte? Ich bin davon überzeugt, dass mindestens 99 Prozent der Deutschen keine Ahnung hat über die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge, die hinter dem Begriff „Klimaschutz“ stehen. Das restliche eine Prozent bildet sich lediglich ein, genaues darüber zu wissen, sagt es - vor allem um der „Political correctness“ willen - auf jeden Fall so in der Öffentlichkeit. Kein Mensch kann heute nachweisen, dass verminderte CO2-Emissionen – und das ist der Kernpunkt der „Klimapolitik“ – tatsächlich einen messbaren Einfluss auf die Temperaturentwicklung auf der Erde hat! Noch viel weniger lässt sich danach über das Kosten-Nutzen-Verhältnis der von der Politik so überaus gepriesenen Klimaschutzmaßnahmen wirklich sagen! Aber die Bürger wollen „mehr Klimaschutz“, ohne zu wissen, ob sie ihn überhaupt bezahlen können und was sie davon haben werden!

Nicht anders sieht es bei der Haltung zur Kernenergie oder zur Gentechnik aus! Auch hier behaupte ich, dass bestenfalls ein Prozent der Deutschen die Wirkungsweise eines Kernkraftwerkes versteht oder weiß, worum es bei der Gentechnik tatsächlich geht! Mann will möglichst „genfreie“ Tomaten essen und keinen Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken, sondern nur aus der Steckdose (wie es Stefan Dietrich so treffend in seiner Glosse am 18. August formulierte)!

Meinungsumfragen zu komplexen naturwissenschaftlich-technischen Fragen, die kaum ein Bürger in unserer „so hoch gebildeten“ Nation begreift, sollte man unterlassen.  Sie liefern lediglich die Ergebnisse, die man vorher den Konsumenten unserer Mediengesellschaft tagaus-tagein eingetrichtert hat, damit sie genau das glauben, was bestimmte Politiker brauchen, um an ihren Fleischtöpfen sitzen bleiben zu können!  Sie führen aber gleichzeitig – da sie als „Vox populi“ ausgegeben werden -  zu politischen Entscheidungen, die sowohl wissenschaftlich als auch volkswirtschaftlich verhängnisvoll sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. rer. oec., Ing. Dietmar Ufer

Grünewaldstraße 1

04103 Leipzig

 

 

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