Via Appia Forum Romanum

Translate from German to ...? zurück zur Hauptseite zurück zur Übersicht

Zur Rolle des Kohlendioxyds im Naturhaushalt

Wolfgang Thüne

Kein anderes Gas in der Atmosphäre erfährt in Politik und Öffentlichkeit eine derart große Aufmerksamkeit wie das Kohlendioxyd, kurz CO2. Meist fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf seine Rolle als Klimagas, das mit zur Erderwärmung beitrage, die bei weiterer Zunahme des CO2-Gehaltes der Luft in naher Zukunft zur Klimakatastrophe führe. Trotz dieser dramatischen Situation soll die Rolle des CO2 als Klimakiller im Folgenden nicht interessieren. 

Kohlendioxyd wird häufig pauschal als „Umweltgift“ bezeichnet, insbesondere in Warnungen von Umweltverbänden. Aber auch die Politik warnt vor diesem Umweltgift und fordert eine Dekarbonisierung der Energieerzeugung. Ziel ist es, bereits nach der Verbrennung bei der Emission das Verbrennungsprodukt CO2 einzufangen und dann zu sequestrieren, sei es in irdischen Bergwerkshöhlen einzulagern oder tief im Meere zu versenken. Doch mit welcher Berechtigung kann man  Kohlendioxyd einfach als Umweltgift bezeichnen?

Die Beantwortung dieser Frage ist von elementarem Interesse und sollte zutiefst jeden Menschen interessieren, dem die Erhaltung und Schonung der Natur am Herzen liegt. Es sei zur Einstimmung wie zur Sensibilisierung ein Satz vorangestellt, den zu lesen und zu verinnerlichen sich sehr empfiehlt. Dieser kurze Satz lautet: „Hab Ehrfurcht vor der Pflanze, alles lebt durch sie!“ Er findet sich am Eingangsportal des Botanischen Gartens in Berlin.

Um die Tragweite des Satzes „Hab Ehrfurcht vor der Pflanze, alles lebt durch sie!“ zu erfassen, sind zuerst die Fragen zu beantworten: welche Stoffe benötigen Pflanzen zum Leben und woher stammt die Antriebsenergie? Ein Blick ins Biologiebuch zeigt, wie die „chemische Fabrik“ Pflanze funktioniert. Den Hinweis auf die notwendigen Rohstoffe gibt die bekannte Photosynthesegleichung. Sie lautet:

6 CO2 + 6 H2O  à  C6H12O6 + 6 O2

Diese nackte chemische Formel besagt nichts anderes als ein Kochrezept. Man nehme 6 Moleküle Kohlendioxyd und 6 Wasser-Moleküle und erhält ein Zuckermolekül und 6 Moleküle Sauerstoff. Aus anorganischen Molekülen wird eine organische chemische Verbindung aufgebaut, die unverzichtbar für alles andere Leben auf Erden ist. Die Pflanzen werden daher völlig zu Recht als Primärproduzenten bezeichnet. Als Bemessungsgrundlage für die Leistung der Photosynthese dient dabei die Menge des freigesetzten, leicht nachweisbaren und messbaren Sauerstoffs. 

Wenn immer wieder in Kurzform gesagt wird, „Wasser ist Leben“, so gilt mit gleicher Berechtigung ebenso der Satz „Kohlendioxyd ist Leben“. Das Zuckermolekül als „Lebensmolekül“ benötigt für seine Bildung zu gleichen Teilen CO2 und H2O. Bekommt die Pflanze aus der Luft kein Kohlendioxyd, dann verhungert sie, bekommt sie über die Wurzeln kein Wasser, dann verdurstet sie. Die Luft muss also immer Kohlendioxyd enthalten, damit die Pflanzen als Primärproduzenten in Aktion treten Erde und als Nahrungsgrundlage für tierisches wie menschliches Leben dienen können.

Schaut man sich die Zusammensetzung des Gasgemisches Atmosphäre an, so ist man erstaunt, dass diese sich zu 78 Prozent aus Stickstoff (N2), zu 21 Prozent aus Sauerstoff (O2) und zu 0,9 Prozent aus dem Edelgas Argon zusammensetzt. Daneben gibt es noch eine Reihe von Spurenstoffen, zu denen Kohlendioxyd mit Werten zwischen 0,03 und 0,04 Prozent und Wasserdampf mit 0 bis 4 Prozent gehören. Wo kein Wasser wie in der Wüste ist oder wo Wasser zu Eis erstarrt ist, da wachsen keine Pflanzen, trotz genügend CO2 in der Luft. Dieser Hinweis möge auch zeigen, dass der Kohlendioxydgehalt der Luft nichts mit deren Temperatur zu tun hat.

Doch um wirklich arbeiten zu können, benötigt die „chemische Fabrik“ Pflanze eine stetige Energiezufuhr. Fehlt diese, wie in der dunklen Nacht, dann funktioniert die Photosynthesegleichung nicht, dann findet keine CO2-Assimilation statt. Die notwendige Energie bezieht die Pflanze einzig von der Sonne, so dass die Fabrik nur an den Tages- oder Lichtstunden arbeiten und Zuckermoleküle herstellen kann. Doch selbst das reicht immer noch nicht  für den Betrieb, die Nahrungsproduktion. Es bedarf noch eines „Katalysators“, der die Energie des Sonnenlichtes einfängt. Dieser zwingend notwendige Katalysator oder Rezeptor ist der grüne Farbstoff namens Chlorophyll, das Blattgrün. Das antennenartig gebaute Chlorophyll-Molekül ist unverzichtbar, um die Energie des Sonnenlichtes einzufangen und diese in feinen Abstufungen auf jenen chemischen Grundprozess zu übertragen, der aus 6 Molekülen Kohlendioxyd und 6 Molekülen Wasser ein Zuckermolekül, also eine organische Verbindung, aufbaut und dabei 6 Moleküle Sauerstoff abgibt. Bezieht man die Sauerstoffproduktion auf die vorhandene Chlorophyllmenge, erhält man die Rate der so genannten Assimilation: freigesetzte Menge an Sauerstoff in Gramm pro Stunde im Verhältnis zur vorhandenen Menge Chlorophyll in Gramm.

Nach Berechnungen von Josef H. Reichholf zeigt sich ein höchst überraschender Befund. Während die Assimilationsrate in Wäldern Werte von 0,4 bis 4 annimmt, steigt sie in den hochproduktiven Meeren auf über 10 an. Das heißt, dass in den Meeren viel mehr Sauerstoff, rund doppelt soviel wie im tropischen Regenwald, pro Stunde und Flächeneinheit produziert wird. Obgleich die Chlorophyll-Dichte pro Flächeneinheit in den tropischen Regenwäldern mit Temperaturen um 25°C am höchsten ist, ist die Assimilations- und mit ihr die Sauerstoffproduktionsrate in den kalten Meeresgebieten mit Temperaturen um 4°C am höchsten. Dies ist nach der vant’Hoffschen Regel, nach der die Geschwindigkeit von chemischen Reaktionen von der Temperatur abhängt, nicht zu erwarten.  Danach müsste die Primärproduktion der immergrünen tropischen Regenwälder pro Flächeneinheit das Dreißigfache derjenigen der produktivsten kalten Meeresgebiete betragen. Aber auch hier zeigt sich wieder, dass der Temperatur nicht die überragende Rolle zufällt, die ihr theoretisch nachgesagt wird.

Wasser und Nährsalze sind notwendige Bestandteile jeder lebenden Zelle. Von nicht geringerer Bedeutung für den Aufbau der Organismen sind aber die eigentlichen Bausteine und Produkte des Protoplasmas, wie die Kohlenhydrate, Fette und Eisweißkörper. Die Kohlenhydrate stehen im Mittelpunkt des Stoffwechselgeschehens: Sie sind bei der Pflanze sowohl wie beim Tier das wichtigste Atmungsmaterial, dessen Verbrennung im Betriebsstoffwechsel die Energie für die Aufrechterhaltung des Lebens liefert. Wenn eine höhere grüne Pflanze, deren Wurzeln in einer rein anorganischen Nährlösung eintauchen, zu stattlicher Größe heranwächst, so ist es ohne weiteres klar, dass der Kohlenstoff nur aus dem in der Luft enthaltenen Kohlendioxyd stammen kann. Diese wichtige Entdeckung wurde 1779 von dem niederländischen Arzt Ingen-Housz gemacht. 

Die anfänglich dargestellte Photosynthesegleichung entspricht noch nicht der Realität. Zur Bildung eines Moleküls C6H12O6 müssen jeweils 6 Moleküle CO2 verarbeitet werden. Nimmt man an, dass der außerdem dazu benötigte Wasserstoff dem in den assimilierenden Zellen stets vorhandenen Wasser entnommen wird, so muss der Bedarf an Wasser verdoppelt werden, nachdem man erkannt hatte, dass der freigesetzte Sauerstoff ausschließlich aus der Spaltung des H2O herrührt. Neu hinzu kommt auf der Output-Seite die Verdunstung:

6 CO2 + 12 H2O  à  C6H12O6 + 6 O2 + 6 H2O

Die Bauernregel „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun’ und Fass“ findet hier ihre Bestätigung ebenso wie der wiederholte Hinweis, dass die Temperatur bei der Assimilation des CO2 keine dominante Rolle spielt. Doch selbst diese Formel spiegelt nicht die wirklichen Reaktionen wider. Wie die Verbrennungswärme des Zuckers zeigt, ist in einem Glukosemolekül eine beträchtliche Energiemenge gebunden. Bei der völligen Verbrennung von einem Mol Glukose (=180g) zu CO2 und H2O werden 657 kg-Kalorien oder 2825 KJ Energie frei, die Reaktion ist exotherm. Dieser Energiebetrag muss daher umgekehrt dem System wieder zugeführt werden, wenn eine Synthese von Zucker aus den Grundbausteinen CO2 und H2O erfolgen soll. Dies ist ganz offensichtlich der Grund, warum bei der CO2-Assimilation der grünen Pflanzen überhaupt Licht benötigt wird. Denn das Licht muss die Energie liefern, die bei der endothermen Zuckersynthese durch die Pflanze verbraucht wird:

6 Mol CO2 + 12 Mol H2O + 675 Kal à  1 Mol C6H12O6 + 6 Mol O2 + 6 Mol H2O

           264 g                216 g                                 180 g                     192 g           108 g

Unter diesen Gesichtspunkten enthüllt sich erst das eigentliche Wesen der pflanzlichen Photosynthese: Es wird hier in den Pflanzen nicht nur in einzigartiger Weise aus einfachen anorganischen Grundstoffen organischer Zucker gebildet, ohne den ein Leben auf unserer Erde gar nicht möglich wäre. Gleichzeitig werden aus dem breiten Spektrum an Sonnenenergie spezielle Lichtquanten aufgefangen und in Form von chemischer Energie gespeichert, um später wieder den verschiedenen Zwecken des Lebens dienstbar gemacht zu werden.

Die Photosynthese ist der einzige Vorgang, bei dem auf der Erde durch grüne Pflanzen in großem Maße Sonnenenergie aufgefangen und gespeichert wird. Wir Menschen sind sprichwörtlich „Kinder der Sonne“! Jahr für Jahr nehmen allein die Landpflanzen etwa 1018 Kalorien an Sonnenenergie auf. Von dieser Energie aber zehrt alles Lebendige, Tiere sowohl wie Pflanzen, wenn sie einen Teil des Zuckers wieder in ihrem eigenen Atmungsstoffwechsel verbrennen und die dabei frei werdende Energie zum Betrieb ihrer Lebensvorgänge verwenden. Wenn alles Leben von den winzigen Mengen von Kohlendioxyd in der Luft anhängt, mit welcher Berechtigung wird undifferenziert dieses lebensnotwendige Molekül als „Umweltgift“ bezeichnet? Aus botanischer, zoologischer wie anthropologischer Sicht ist dieses Urteil schlicht und einfach falsch.

Bei dem sehr geringen CO2-Gehalt der Luft von circa 0,03 Volumprozent, das sind etwa 0,5-0,6 mg CO2 pro Liter Luft, müsste der Luftvorrat rasch erschöpft sein, so dass ein dauernder Aufbau der Pflanzenwelt aus der Luftkohlensäure nur dann möglich ist, wenn ständig CO2-Quellen vorhanden sind. Hierzu werden in dem Lehrbuch der Botanik folgende Überlegungen angestellt:

„Erstaunlicherweise sorgt nun das Leben selbst auf unserer Erde für eine dauernde Rückbildung von CO2 in größtem Umfang. Es ist ja ein Charakteristikum der Lebewesen, daß sie zur Aufrechterhaltung ihres Daseins in einer Weise,…, atmen und hierbei in der Mehrzahl der Fälle u. a. CO2 ausscheiden. Ein erwachsener Mensch atmet im Ruhezustand in 24 Stunden rund 1 kg CO2 aus, und in der gleichen Größenordnung liegt auch die Atmungsintensität des Tieres wie auch der höheren Pflanze. Einschließlich des Exhalation der Vulkane und der Tätigkeit unserer Industrie wären jedoch Menschen, Tiere und höhere Pflanzen immer noch nicht imstande, die beachtliche Konstanz des Luftkohlensäuregehaltes aufrecht zu erhalten, wenn nicht neben ihnen noch das große Heer der sog. niederen Organismen, insbesondere der Bodenbakterien, lebte und atmete, mit einer CO2-Produktion, die ganz ungeheuer ist. Man hat in einem einzigen Kubikzentimeter eines guten Ackerbodens schon mehrere Milliarden Bakterien gefunden und schätzt die stündliche CO2-Entwicklung aus 1 ha auf 2-5 kg CO2, bei Waldboden auf wesentlich mehr. Das ergibt pro Jahr derartige Mengen an CO2, daß man wohl verstehen kann, daß gerade diese Mikroorganismen bei der Bilanz des CO2-Gehaltes unserer Lufthülle eine entscheidende Rolle spielen. Auf sie und ihre CO2-Produktion geht es auch zurück, wenn der CO2-Gehalt der Luft dicht über dem Erdboden die höchsten Werte erreicht.“

Die Intensität der Photosynthese wird, wie das für Lebensvorgänge natürlich ist, von den verschiedensten Faktoren in verwickelter Weise beeinflusst. Der allgemeine Entwicklungszustand der Pflanze, die Wasserversorgung, der Öffnungszustand der Stomata oder Spaltöffnungen, Beleuchtung, Temperatur und CO2-Versorgung spielen eine Rolle. Hier wie überhaupt bei allen physiologischen Vorgängen, die von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden, macht man die Beobachtung, dass unter den verschiedenen Wirkungsfaktoren der jeweils im Minimum vorhandene den Gang des gesamten Prozesses entscheidend bestimmt, nach dem „Gesetz der begrenzenden Faktoren“. Bei ungenügender CO2-Versorgung können auch die günstigsten Licht- und Temperaturverhältnisse nicht voll ausgenützt werden, da die CO2-Assimilation nur so schnell vonstatten gehen kann, wie es die geringe CO2-Zufuhr erlaubt. Der Gang der Assimilation ist daher unter natürlichen Bedingungen nicht gleichförmig. Folglich zeigt auch der CO2-Gehalt erhebliche geographische Unterschiede. Dies vor allem widerlegt insbesondere für die Behauptung, dass der in circa 3000 m Höhe an den Flanken des Hawaii-Vulkans Mauna Loa seit 1958 gemessene CO2-Gehalt der Luft repräsentativ für die gesamte Erde sei.

Nach Richard Harder kann unter allgemein günstigen Umständen als Anhaltspunkt angenommen werden, dass ein Quadratmeter grüner Blattfläche in der Stunde 0,5-1,5 g Glukose zu erzeugen vermag. Das entspricht ungefähr der CO2-Menge, die in 3 m3 Luft vorhanden ist. Eine kräftige Sonnenblume kann im Laufe eines Tages die gesamte CO2-Menge aus einem Raum binden, der bei 25 m2 Grundfläche 4 m Höhe besitzt. Dies erklärt, warum Gewächshäuser ständig gut be- und durchlüftet werden müssen. Da die in der Atmosphäre vorhandne Kohlensäurekonzentration in sehr vielen Fällen für die Leistungsfähigkeit des photosynthetischen Apparates ungenügend ist, ist man dazu übergegangen, bei Gewächshauskulturen durch künstliche Begasung den Ernteertrag auf das Dreifache zu erhöhen. Bei Tomaten und Gurken erhöht man den CO2-Gehalt um das Dreifache von 0,03 auf etwa 0,1 Volumprozent. 

Es lässt sich generell festhalten: Die Tiere können ihr Leben nur dadurch erhalten, dass sie pflanzliche und tierische Nahrung verzehren. Darüber erhalten sie die Energie, die für ihr Leben notwendig und unverzichtbar ist. In letzter Linie sind also alle, auch wir Menschen, auf Pflanzenstoffe angewiesen. Dies gilt gleichermaßen für die Landtiere und für die Wassertiere. Deren wichtigste Nahrungsquelle sind die grünen Algen, die ebenso den Sauerstoff liefern, um bei der Atmung die bei der Assimilation chemisch in der Glukose gebundene Sonnenenergie in Lebensenergie umzuwandeln. Der Freilegung dieser im Zuckermolekül gebundenen potentiellen Energie dient der ganze, höchst verwickelte Atmungsmechanismus, in dem bei Pflanzen und Tieren in grundsätzlich gleicher oder doch ähnlicher Weise Zucker wieder bis zu den Grundbausteinen CO2 und H2O zerlegt wird. Die Atmungsgleichung ist nahezu eine Umkehrung der Photosynthesegleichung:

1 Mol C6H12O6 + 6 Mol O2  à  6 Mol CO2 + 6 Mol H2O + 675 Kal.

Was ist dennoch der Unterschied zwischen Assimilation und Atmung bei den grünen Pflanzen? Die Assimilation findet nur am Tage und nur in den grünen Pflanzenorganen statt. Dabei wird Kohlendioxyd verbraucht und Sauerstoff ausgeschieden. Die Atmung dagegen findet bei Tag und Nacht und bei allen Pflanzen mit allen Organen statt. Verbraucht wird Sauerstoff und ausgeschieden wird Kohlendioxyd. Zieht man von der Bruttophotosyntheseleistung der Pflanzen die Eigen-Atmung ab, so ergibt sich die Nettophotosyntheseleistung. Sie manifestiert sich im Wachstum der Pflanzen und ihrer Massenzunahme. Anhand der Dichte der Baumringe kann man gute und weniger gute Wachstumsjahre unterscheiden, wobei sich das Wachstum immer nur auf die etwa halbjährige Vegetationsperiode bezieht und wesentlich von der Bodenfeuchte und damit dem Niederschlagsangebot abhängt.

In der Natur findet also ein gewaltiger Kreislauf der beiden Gase statt. Alle Lebewesen atmen Kohlendioxyd aus, das die grüne Pflanze zur Ernährung braucht, und der Sauerstoff, der von den grünen Pflanzen bei der Assimilation ausgeschieden wird, ist für die Atmung unentbehrlich. Da für die Kohlenstoffassimilation wiederum Licht und Blattgrün unentbehrlich sind, gewinnt der Satz „Hab’ Ehrfurcht vor der Pflanze, alles lebt durch sie!“ den Charakter eines ethischen wie moralischen Imperativs. Nicht durch etwas mehr oder weniger CO2-Emissionen gefährden wir das Leben, sondern durch die zunehmende Zerstörung des „Grüns“ als natürlichem Kleid der Erde und als ständiger CO2-Senke.

Voraussetzung für eine intensive CO2-Assimilation ist ein reger Gasaustausch zwischen Atmosphäre und Blattinnern durch die Spaltöffnungen oder Stomata. Ein wichtiger Gradmesser ist die Transpiration, denn Assimilation und Transpiration sind aufs engste miteinander gekoppelt. Eine Sonnenblume verdunstet an einem klaren Tag etwa 1 Liter Wasser. Speziell der Transpirationskoeffizient gibt an, wie viel Wasser eine Pflanze verbraucht, um 1 kg Trockenmasse zu bilden.

In gemäßigt kontinentalem Klima benötigt die Hirse 293 Liter, Mais 368 Liter, Rüben 397 Liter, Weizen 435 Liter, Sonnenblumen 569 Liter, Kartoffeln 636 Liter, Roggen 685 Liter, Luzerne 844 Liter und Flachs 905 Liter.  Der Boden muss also immer hinreichend feucht sein. Aber auch die Bodenatmung spielt eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Versorgung der Pflanzen mit genügend CO2. Als Beispiel für den CO2-Beitrag der Bodenatmung führt Heinrich Walter folgende Werte pro m2 Bodenfläche und Stunde an:

Sandboden………………………………………… 2 g CO2

Lehmboden…………………………………………4 g CO2

Humoser Boden (Buchenwald)…..……….15 –  22  g  CO2

Diese Zahlen schwanken je nach Feuchtigkeits- und auch Temperaturverhältnissen sehr stark. Der weitaus größte Anteil an Kohlendioxyd entfällt dabei auf die Tätigkeit der Bodenorganismen, namentlich der Bakterien und Pilze.

Betrachtet man die Zahlenangaben über die CO2-Gehalte der Luft, so wird zwar in der Regel ein konstanter Wert von 0,03 Volumprozent angegeben, es wird allerdings auch darauf hingewiesen, dass er je nach örtlichen Verhältnissen Schwankungen unterliegt. Walter verweist auf Messungen in der Großstadt Stockholm, die einen wesentlich höheren CO2-Gehalt (0,0508%) als das Schärengebiet außerhalb der Stadt (0,0293%) hat. In London mache sich sogar ein Unterschied zwischen Werktagen mit der großen Ansammlung von Menschen in der City und Feiertagen, an denen das Geschäftsleben ruht, bemerkbar. Solche Unterschiede machen sich besonders im Winter während der Heizperiode bemerkbar, wenn zudem die CO2-Assimilation der Vegetation ruht.

Und da die CO2-Assimilation nur am Tage vor sich geht, während die Atmung der Organismen sowohl tags als auch nachts verläuft, lassen sich auch Tagesschwankungen des Luft-Kohlensäuregehaltes feststellen. Schon um 18 Uhr war in einem Rübenfeld die CO2-Konzentration um 10 % höher als um 12 Uhr. Die Tagesmittel liegen im Allgemeinen 12 % niedriger als die Nachtmittel. Nirgendwo ließen sich Verbindungen zwischen dem Tagesgang der Temperatur und dem Tagesgang der Kohlensäuregehaltes feststellen. Dies gilt ebenso für den Jahresgang beider Elemente, wie klar die sägezahnähnliche Kurve von Mauna Loa auf Hawaii zeigt. Immer wenn auf der Nordhalbkugel der Winter einbricht, dann sinken die Lufttemperaturen, doch der Kohlendioxydgehalt steigt. Im Frühjahr vollzieht sich der umgekehrte Prozess. Mit dem Frühjahr beginnen die Temperaturen zu steigen, doch der CO2-Gehalt sinkt mit Start der Vegetationsperiode und damit der CO2-Assimilation.

Welchen Aspekt man auch betrachtet, es ist naturwissenschaftlich unerklärlich, warum das absolut lebensnotwendige Kohlendioxyd als „Umweltgift“ gebrandmarkt und der Ächtung unterworfen wird, bis hin zu der angestrebten Sequestrierung. Man hat sich auch die Frage gestellt, ob nicht für die Landwirtschaft eine direkte Düngung der bodennahen Luftschichten mit CO2  in Frage käme. Dies wurde jedoch als zu kostspielig verworfen, umso mehr, da ja der Wind CO2 leicht verweht. Deshalb düngte man nur in geschlossenen Gewächshäusern, und zwar dann, wenn CO2 kostenlos zur Verfügung stand, wie beim Torfkraftwerk Wiesmohr in Ostfriesland. Walter beschreibt auch, dass man in den lichtarmen Wintern, wenn die Pflanzen in den Gewächshäusern der Botanischen Gärten sich in einem Hungerzustand befinden, gerne Öfchen mit glühenden Holzkohlen aufstellt, weniger um Wärme zu erzeugen, als um den CO2-Gehalt der Luft im Gewächshaus zu erhöhen und damit die Assimilation anzuregen. Gehen in einem luftdicht abgeschlossenen Raum die Menschen an Sauerstoffmangel zugrunde, so die Pflanzen am Kohlendioxydmangel.

Die Antwort auf die Frage „Ist CO2 ein Umweltgift? ist eindeutig und klar: Nein!

Literatur:

Russel, Sir John: Boden und Pflanze, Dresden 1936.

Reichholf, Josef H.: Der Tropische Regenwald, Die Ökobiologie des artenreichsten Naturraums der Erde, München 1990.

Schmeil, Otto: Pflanzenkunde, Heidelberg 1964.

Harder, Richard u. a.: Lehrbuch der Botanik für Hochschulen, Stuttgart 1958.

Walter, Heinrich: Grundlagen des Pflanzenlebens. Einführung in die allgemeine Botanik für Studierende der Hochschulen, Stuttgart 1950.

Wer sich eingehender mit dem Calvin-Zyklen befassen will, kann dies bei Wikipedia tun oder unter http://suomenhirvi.piranho.de.

 

Via Appia Forum Romanum
zurück zur Hauptseite