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Halberstädter Weinfass soll ins Guinnessbuch der Rekorde
Physiker brachten Sensation ans Licht
Von
Jörg Endries

Spannung pur. Schafft es Halberstadt wieder in das Guinnessbuch der
Rekorde ? Womit ? Mit dem großen Weinfass im Keller des Schlösschens in
den Spiegels bergen. Ein ehemaliger Studiendirektor und zwei Physiker
stellten gestern ihre neuesten Forschungsergebnisse zum Fass vor.
Halberstadt.
" Wir sind die größten. " Eingefleischte Halberstädter haben es schon
immer gewusst. Gestern wurde es ihnen bestätigt. Und das ganz objektiv
von zwei Nicht-Halberstädtern. Nicht unwichtig.
140 000 Liter passen
ins Riesenfass
Mit
modernster Technik und geballtem Fachwissen haben Burkhard Schmanck,
ehemaliger Studiendirektor, sowie das Physikerehepaar Rita und Ludger
Winkelmann die Sensation ans Tageslicht befördert. Im Keller des
Spiegelsbergenschlösschens steht das weltgrößte Fass des ausgehenden
16. Jahrhunderts.
" Es gibt auch kein Fass, das vor 1600
gebaut wurde, größer und heute noch erhalten ist ", versicherte Ludger
Winkelmann. Sogar das erste Heidelberger Riesenfass sei kleiner
gewesen. Beide wurden 1592 und 1594 vom Fassbaumeister Michael Werner
gebaut. Für Armin Schulz, Direktor des Städtischen Museums Halberstadt,
Grund genug, den Rekord in das Guinnessbuch der Rekorde zu bringen. "
Bislang gibt es in diesem Buch noch keinen Eintrag dieser Art. Wir
werden jetzt versuchen, dass das Halber städter Riesenfass aufgenommen
wird ", zeigte sich Schulz entschlossen. " Eigentlich müssten Touristen
aus aller Welt nach Halberstadt pilgern, um das beeindruckendste alte
Holzfass der Welt in Augenschein zu nehmen ", sagte Burkhard Schmanck.
Das aus Gröningen stammende Fass holte Freiherr Spiegel 1782
nach Halber stadt. Also kann es ruhigen Gewissens als Halberstädter
Fass vereinnahmt werden. Rita und Ludgar Winkelmann nahmen es mit
wissenschaftlicher Gründlichkeit unter die Lupe. Mit Lasertechnik wurde
das Holzungetüm vermessen. Alle bisher bekannten Zahlen zum
Fassungsvermögen warfen die Physiker über Bord. Bisher kursierten zwei
Zahlen. Die schwankten zwischen 132 760 und 137 000 Litern. Nach zwei
von einander unabhängigen Messungen steht fest : Ins Fass passen 140
000 Liter, mit einer Toleranz von 1500 Litern. Ursprünglich hätte es
gar 144 000 Liter gefasst. "Der Baumeister war genial", schwärmte
Ludger Winkelmann. Die Physik habe damals noch in den Kinderschuhen
gesteckt, eine Festigkeitslehre gab es noch nicht. Trotzdem gelang es
Michael Werner, dieses Riesen fass, das mit 140 Tonnen Flüssigkeit
gefüllt werden kann, zu bauen. Wie es ihm gelang, wird wohl ein
Geheimnis bleiben. Wenigstens einmal sei es auch mit Wein gefüllt
gewesen, wusste Burkhard Schmanck zu berichten. "Und es habe keinen
Tropfen verloren heißt es."
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Dokument erstellt am 10.06.2006 um 06:20:27 Uhr
Erscheinungsdatum 10.06.2006 | Ausgabe: hbs
