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Von der Modellgläubigkeit zur Modellhörigkeit
Was Klimamodelle wirklich aussagen
Die Hiobsbotschaften über die
Zukunft unseres Klimas nehmen immer dramatischere Formen an. „Fliegt uns die
erde um die Ohren?“, fragte die allbekannte Bildzeitung. Der Spiegel ließ über
den bekannten Apokalyptiker James Lovelock verkünden: „Gaia hat Fieber“!
– „Keine Macht der Welt könne den Niedergang verhindern. Allenfalls lasse
er sich ein wenig hinauszögern – vor allem durch den massiven Ausbau der
Kernenergie.“
Der Spiegel präsentierte
sogleich auch ein „Neues Deutschland“! Darin heißt es aus dem
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Der Klimawandel wird alle
Lebenslagen durchdringen.“ Danach wird sich Bayern zukünftig tropischer Nächte
erfreuen und der Hunsrück mit Starkregen zu kämpfen haben. Auch die Europäische
Union drängte sich ins Rampenlicht und prophezeite: Im Jahre 2071 wird es um
bis zu 3 Grad wärmer. Dann sei mit jährlich bis zu 38000 Hitze- und Kältetoten
zu rechnen. Für die Britische BBC errechneten 250 000 Heimcomputer, dass es in
England 2080 um 4 Grad wärmer sein werde als 1970.
Was bei all diesen
„Prognosen“ auffällt, ist die Tatsache, dass sie immer genauer werden, auch
regional, je ferner die Zukunft ist. Dies steht natürlich in völligem
Gegensatz zu den ebenfalls mit Computern berechneten Wettervorhersagen. Deren
Genauigkeit sinkt mit jeder Stunde rapide und schon nach drei Tagen beginnt, von
ganz wenigen stabilen Wetterlagen abgesehen, die Kaffeesatzleserei.
Die sozialpsychologisch
interessante Frage ist: Warum glauben wir so an die Klimamodelle? Worin liegt
ihre Faszinationskraft, außer dass wir selbst orakelhafte und extrem neugierige
Wesen sind? Es liegt einfach an unseren Modellerfahrungen aus der Jugendzeit. Ob
es bei Mädchen die wirklichkeitsgemäße Widergabe von Kleidern, Püppchen oder
Stofftieren ist, oder bei Buben maßstabsgetreue Nachbildungen von Autos,
Eisenbahnen, Flugzeugen sind, auch als Erwachsener kann man sich der
faszinierenden Exaktheit der verkleinerten oder auch vergrößerten Modelle
nicht entziehen. Selbst den Luftwiderstandswert von Rennautos oder Kampfjets
testet man an Modellen im Windkanal.
Solche Modelle sind aber, und da
liegt die Mogelei der Experten, keineswegs mit den Wetter- oder gar
Klimamodellen vergleichbar. Hier wird kein fester Gegenstand modelliert, hier
geht es um bewegte und konturenlose Luftdruck- und stets variable Strömungsfelder,
deren Bewegungsabläufe man mit Hilfe von mathematischen Gleichungen zu
simulieren versucht. Das Problem ist, dass die Gleichungen selbst nicht exakt lösbar
sind und sich mit jedem Rechenschritt ein kleiner und unvermeidbarer Fehler
einschleicht. Nach Millionen von Rechenoperationen haben sich nicht nur die unzähligen
Fehlerchen zu einem gigantischen Fehler aufgebaut, auch die Anfangsbedingungen
haben sich inzwischen geändert, so dass es nicht eine Lösung, sondern eine große
Auswahl von Lösungen gibt. Die vermeintlich plausibelste Lösung wird genommen,
der Rest wandert in den Papierkorb. So macht man es beim Wetter.
Der ständigen Fehlvorhersagen
überdrüssig suchten zuerst in den USA mit der führenden Computerindustrie
Anfang der sechziger Jahre junge und fortschrittliche Wissenschaftler,
stimuliert von der in Blüte stehenden Futurologie, nach Wegen, das Wetter längerfristig
vorherzusagen. Sie machten einen unzulässigen Trick. Sie legten ihren
Berechnungen nicht die stets veränderlichen dynamischen Wetterkarten zugrunde,
sondern die statischen Klimakarten. Diese sind leblos und unbeweglich, weil sie
statistisch gemittelte Zustände zeigen. Egal welchen Schulatlas man aufschlägt,
er zeigt im Sommer ewig das „Azorenhoch“, im Winter das „Islandtief. Wenn
auch diese Gebilde keine Realität haben, so können sie in uns, von der
Reiseindustrie stimuliert, unendliche Sehnsüchte und Wünsche wecken. Wir
werden zu Zugvögeln, immer der Sonne hinterher.
Das Schöne und Geheimnisvolle
am Computer ist, dass Wissenschaftler hiermit unendlich viel spielen und ihren
Spieltrieb grenzenlos austoben können, wobei ihrer Phantasie keine Realität
Einhalt zu bieten vermag. Mit den Computern entwickelten sich zwei ganz neue
Wissenszweige, die Chaostheorie und die Spieltheorie. Der Mensch wird zum
„deus ex machina“. Er haucht dem toten „Islandtief“ Leben ein und schaut
im Computer, was dieses leblose Ding in 50, 100 und mehr Jahren macht. Es macht
willkürliche Scheinbewegungen, numerische Zuckungen.
Wussten dies die Väter der
Klimamodelle noch und nannten daher ihre Projektionen schlicht Simulationen oder
Szenarienrechnungen, so präsentieren die Söhne die Ergebnisse als wahre Prognosen,
ja vertrauenswürdige Vorhersagen, deren Genauigkeit sich mit zunehmender Zeit
verbessere und keineswegs, wie natürlich, vermindere. Daher die Mahnung
eines der Väter, Syukuro Manabe von der Princeton Universität, der beklagt,
dass sich zu viele zunehmend auf die Modelle verlassen, ohne sie zu verstehen.
„Ohne echtes Verständnis kann man die Projektionen eines Modells aber nur
schwer von den Aussagen eines Wahrsagers unterscheiden.“ Er bezeichnet die
Modelle inzwischen als „Monster“, gefährliche Monster!
Sie sind deshalb gefährlich,
weil sie den Weltuntergang fest einprogrammiert haben und mit jedem
Rechenschritt wird dieser unvermeidlicher. Jede dieser fiktiven „Prognosen“
wird dann in den Medien verbal verstärkt, denn je sensationeller die
Schlagzeile desto größer der Verkaufserfolg. Es wird allerhöchste Zeit, dass
eine Enkelgeneration heranwächst, die wieder mehr Nüchternheit walten lässt
und ehrlich sagt, dass der Computer das und nur das berechnet, was man
einprogrammiert, man ihm zu tun befohlen hat. Und es gibt keinen gehorsameren
Befehlsempfänger. Gibt man einem Molekül Kohlendioxid ein bestimmtes Erwärmungspotential,
dann führt eine Erhöhung automatisch zu einer „Erderwärmung“, bis in alle
Ewigkeit, bis zum Fiebertod der Mutter „Gaia“.
So nähert sich Wissenschaft
wieder dem Glauben, den sie eigentlich durch Wissen zu ersetzen vorgab. Ob wir
aber eines Tages in der „Hölle“ schmoren oder im „Treibhaus“ braten,
ist da ein Unterschied?
Oppenheim, den 31. Januar 2007
Dr. Wolfgang Thüne
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