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Matthäus und die Eselin

Einen seltsamen Eselsritt bietet uns der Evangelist Matthäus beim Einzug Jesu in Jerusalem (Mt 21,1-7). Demnach breiteten die Jünger ihre Kleider über eine Eselin und ihr Fohlen und Jesus setzte sich darauf, also auf die Kleider über beiden Eseln. Wer jetzt glaubt, es handle sich hier um einen Übersetzungsfehler, und daher in der lateinischen und ursprünglichen griechischen Version nachschaut, findet die Einheitsübersetzung an dieser Stelle klar bestätigt. Nach dem Evangelisten Matthäus reitet Jesus auf zwei vermutlich unterschiedlich großen Eseln gleichzeitig in Jerusalem ein.

Wer dann bei den Evangelisten Markus und Lukas die Parallelstellen liest, der findet dort allerdings nur einen Esel und zwar ein Fohlen, auf welchem noch kein Mensch gesessen hatte, das also noch nicht zugeritten bzw. noch nicht an das Tragen von Lasten gewöhnt war.

Schaut man nun bei dem vom Matthäus zitierten Propheten Sacharja (9,9) nach, erlebt man eine neue Überraschung. In der lateinischen und griechischen Version sitzt der messianische König anscheinend unmißverständlich ebenfalls auf zwei Eseln.

Interessant wird es dann bei der deutschen Übersetzung dieses Prophetentextes. Da reitet der König „auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin“.

Wo steckt nun der Fehler bzw. des Rätsels Lösung?

Vermutlich liegt hier ein Mißverständnis des hebräischen „und“ vor. Dessen Sinn ergibt sich nämlich nur aus dem jeweiligen Textzusammenhang. Man muß also zuvor den Sinn verstehen und kann danach erst richtig übersetzen. Dieser Sinn ist hier einfach spezifizierend, nämlich „und zwar“.

Dann lautet der hebräische Urtext: „reitend auf einem Esel, und zwar auf einem Füllen, dem Sohn einer Eselin“. Damit ist die deutsche Einheitsübersetzung an dieser Stelle richtig, während die lateinische und die griechische Version das hebräische „und“ nur rein mechanisch und daher mißverständlich übernommen haben. Matthäus hat das möglicherweise nicht mehr verstanden und daher die Szene um einen zweiten Esel bereichert.

Wenn man hingegen an der Zweizahl der Esel festhalten will, dann sollte man sich für eine in der Textüberlieferung angebotene singularische Variante für Vers 7 entscheiden. Danach würden die Kleider eindeutig auf das Fohlen gelegt (επ’ αυτον/αυτω), und Jesus setzte sich darauf.

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