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25.04.2005  Halberstadt, News:
Im Jagdschloss vermessen und fotografiert
Riesenweinfass begeistert die Fachleute
Historische Abbildung mit dem Heidelberger Weinfass.
Historische Abbildung mit dem Heidelberger Weinfass.

Halberstadt (dk). Das Halberstädter Riesenweinfass im Jagdschloss Spiegelsberge hat am Wochenende Wissenschaftler auf den Plan gerufen. Sie waren bei Literaturrecherchen auf das Faß aufmerksam geworden und wollte sich vor Ort ein Bild machen. Das könnte dazu beitragen, dass künftig mehr Touristen den Weg zu diesem historischen Zeugnis finden.

Burghard Schmanck aus Werne hatte vor drei Jahren ein in lateinischer Sprache verfasstes Werk über das erste Heidelberger Fass gefunden und übersetzt. Johann Kasimir, Regent der Kurpfalz, ließ 1589 bis 1592 als besondere Attraktion im Schloss ein Fass „wie keines auf Erden“ bauen. Der Küfer Michael Werner gilt als Erbauer des ersten großes Fasses mit einem Fassungsvermögen von 130 000 Litern.

Dieses erste große Heidelberger Fass wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. 1664 wurde daraufhin ein noch größeres Fass mit 195 000 Litern gebaut. Schließlich entstand 1750/ 51 mit 222 000 Litern ein noch größeres Fass, das noch heute zu bewundern ist. Die Fässer dienten damals zum Einsammeln des Zehntweins und sicherten den großen Weinverbrauch bei Hofe.

Im Keller des Halberstädter Jagdschlosses steht das 1594 erbaute und damit heute älteste Riesenweinfass Deutschlands. Gemeinsam mit dem Diplomphysiker Ludger Winkelmann und Ehefrau Rita wurde das Halberstädter Fass nun erstmals mit Hilfe von Lasergeräten genau vermessen und begutachtet.

„Wir kommen nach ersten Berechnungen auf einen Inhalt von 144 000 Litern“, sagte Schmanck. Außen hat das Fass eine Länge von 8, 33 bis 8, 48 Metern sowie einen Innendurchmesser von bis zu 5, 10 Meter. Mit den Steinen, auf denen das Fass steht, ist es 5, 80 Meter hoch. 24 Reifen, mit erstaunlicher Handwerkskunst angefertigt, halten das Werk zusammen.

Die drei Experten zeigten sich mit den Erkenntnissen in Halberstadt sehr zufrieden. Die 1595 in der ältesten Beschreibung des Heidelberger Fasses gemachten Angaben von Antonius Praetorius zu dem heutigen Halberstädter Fass wurden in der Praxis voll bestätigt. Das hiesige Fass habe als ältestes Zeugnis der Böttcherkunst eine Bedeutung von europäischem Rang. Die Erkenntnisse müssten jetzt bekannt gemacht und die Tourismuswerbung angekurbelt werden. In Heidelberg sei das größte Fass heute eine Attraktion. Halberstadt besitzt aber nachweislich das älteste Riesenfass.

Die Experten wollen nach dem Vermessen und Fotografieren nun die Daten noch genauer auswerten. „Fest steht, dass das Fass eine Neigung von zehn Zentimetern nach vorn hat, so dass es wohl zur Weinlagerung gut geeignet schien“, berichtete Winkelmann.

Das Halberstädter Fass wurde 1594 zunächst im Auftrag von Bischof Heinrich Julius für das Schloss in Gröningen gebaut. Das Fassungsvermögen wurde bisher mit 137 000 Litern angegeben. Freiherr Spiegel wandte sich 1780 an Friedrich II, ihm das Fass aus dem Gröninger Schloss zu überlassen, da das Gebäude über dem Fass dort eingestürzt war.

Im April 1782 wurden die Bauarbeiten am Fasskeller und am Spiegelsbergenschloss beendet und es gab eine große Einweihungsfeier. Wein wurde zwar in Gröningen im Fass gelagert, aber in Halberstadt nicht mehr, meinten die Experten. Durch den Umzug und die Demontage hat das Fass auch einige kleine Änderungen erfahren. Die Experten sind jetzt auf der Suche nach weiteren Unterlagen zum Halberstädter Fass und wollen versuchen, eine Broschüre über die historischen, künstlerischen und technischen Umstände zusammen zu tragen.

Die Gaststätten-Betreiberfamilie Schöne ist froh, dass die Geschichte um das berühmte Fass so umfassend aufgegriffen wird. Schon immer wurden interessierte Gäste und Reisegruppen zum Fass geführt. Auch bei Gruppenveranstaltungen wurde das Fass mit einbezogen. Gut angenommen werden auch die Trauungen im historischen Weinkeller. Jeder, der einen Blick auf oder in das große Fass werfen will, kann sich täglich ab 11 Uhr (montags Ruhetag) in der Gaststätte melden.

  (VS)

 
 
 
 
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