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Festtagsgedanken - Was soll ich glauben?

Ostern 2008

Auferstehung Jesu? Im Alten Testament wird an mehreren Stellen über Totenauferweckungen durch Propheten berichtet. Weltbekannt ist die Geschichte vom Sohn der Schunemiterin aus dem 4. Kapitel im zweiten Buch der Könige. Auch von Jesus werden Totenauferweckungen berichtet. Man mag das glauben oder auch anders erklären wollen. Mit der Auferstehung Jesu hat das nichts zu tun.

Ein wesentlicher Unterschied liegt bereits im unmittelbaren Ereignis selber. Zu den Auferweckungen durch Propheten und Jesus wird immer auch über Zeugen für den Tod und den Auferweckungsvorgang berichtet. Im Falle der Auferstehung Jesu wird zwar die Tatsächlichkeit seines Todes auf sehr brutale Weise festgestellt. Seine Auferstehung aber vollzieht sich ohne Zeugen und unterscheidet sich von allen früheren Begebenheiten allein schon dadurch, daß diese Auferstehung nicht in einem erneuten, späteren Tod ihren natürlichen Abschluß fand.

Hier enden alle naturwissenschaftlichen Erklärungsmöglichkeiten. Genau das erleben auch seine Jünger. Sie erfahren zwar unmißverständlich, daß er lebt. Sie sprechen und essen mit ihm. Sie berühren ihn. Sie werden so gegen ihren Willen regelrecht gezwungen, an ihn als den Auferstandenen zu glauben.  Andererseits aber scheint er offensichtlich den Gesetzen von Raum und Zeit nicht mehr unterworfen zu sein. Er ist plötzlich mitten unter ihnen, und ebenso unvermittelt sind sie wieder allein. Daraus ergibt sich eine interessante Konsequenz. Wenn sich der Auferstandene seinen Jüngern als über den für alle geltenden Naturgesetzen stehend offenbart, dann ist es müßig, die Auferstehung unter Hinweis auf Naturgesetze abzulehnen. Wer hingegen heute den Zeugen von damals glaubt, tut dies nicht in Unvernunft und wider alle Naturgesetze.

Das Bekenntnis
"Christus ist wahrhaft auferstanden"
hat damit nichts zu tun.

 

Christi Himmelfahrt

Die Festbezeichnung "Himmelfahrt" ist irreführend und wahrscheinlich nur eine lautmalerische Nachahmung des griechischen Wortes "anephereto" - "er wurde hinaufgebracht". Die lateinische Übersetzung klingt ähnlich. Wenn man sich die überlieferten Texte bei Markus, Lukas und in der Apostelgeschichte genauer anschaut, fällt die extreme Kargheit der Himmelfahrts-Schilderungen auf. Die Vorstellung, er wurde "emporgehoben" oder "hinaufgebracht" und zwar "in den Himmel" hört sich mehr wie eine nachträgliche Erklärung an. Der Sache nach kann es sich nämlich nur um die Beschreibung des Umstandes handeln, daß der Auferstandene den bisherigen Umgang mit seinen Schülern nicht mehr fortsetzt. Sie sehen ihn nicht mehr mit ihren leiblichen Augen. Es gibt keine Berührungen, kein gemeinsames Essen mehr. "Er ging weg von ihnen." schreibt Lukas kurz und knapp. Die inhaltlichen Ergänzungen der Apostelgeschichte, eine Wolke habe ihn den Blicken der Jünger entzogen und wohin er dann ging, erklären zwei Männer, welche dazu plötzlich auftauchen, dürfte eine spätere Ausgestaltung sein.
Wenn man annimmt, daß der Auferstandene den geschaffenen Gesetzen von Raum und Zeit nicht mehr unterworfen war, bekommt das Fest "Christi Himmelfahrt" einen anderen Akzent. Während im Osterfest die Freude, daß der Herr lebt, ihren Ausdruck findet, gilt die Himmelfahrtsfeier dem, der "im Himmel" ist und "zur Rechten Gottes" sitzt. Gefeiert wird hier die himmlische Vollendung der Menschwerdung des Gottessohnes. Als der Hohepriester Jesus beschwörend fragte, ob er der Messias sei, fügt Jesus hinzu:

"Sehen werdet ihr den Sohn des Menschen, sitzend zur Rechten der Kraft und kommend auf den Wolken des Himmels."

Das Glaubensbekenntnis sagt über den Gottessohn:

"Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, wesenseins mit dem Vater."

Pfingsten
heißt eigentlich nur "fünfzig". Üblicherweise wird  in den Heiligen Schriften in solchen Zusammenhängen mit der Zahl "40" gearbeitet. Gemeint ist dann ein längerer, nicht genau definierter Zeitraum. Deshalb muß man in diesem Fall davon ausgehen,  daß hier ein genau bestimmter Zeitraum beschrieben wird, eben einer von genau 50 Tagen. Feierlich begangen wird also hier die Begebenheit am 50. Tage nach "Christi Himmelfahrt."

Nicht leicht verständlich ist das, was in diesem Zusammenhang als genau terminiertes Ereignis in der Apostelgeschichte beschrieben wird. Vielfach kolportiert wird die Deutung, die Apostel hätte plötzlich, vom Heiligen Geist begabt, die neue Botschaft perfekt in diversen Fremdsprachen verkündet. Der griechische Urtext bietet für diese Deutung jedoch keinerlei Grundlage. Wörtlich übersetzt, wird nur ausgesagt, daß die Apostel mit "fremden Zungen" redeten. Damit wird ausgesagt, daß ihre Zunge sozusagen fremdgesteuert sich bewegte. Sie verkündeten also nicht eigene Gedanken, sondern "wie der Geist es ihnen zu verkünden eingab". Die Inhalte also wurden vom Heiligen Geist vorgegeben, nicht die Sprache. Bestätigt wird diese Deutung durch die überlieferte Reaktion der Zuhörer, welche die Apostel aufgrund ihres Dialektes als Galiläer identifizierten. Die Apostel sprachen also für ihre Zuhörer "galiläisch platt". Es war dann wohl auch nicht ein fiktives Sprachwunder, sondern die messianische Botschaft, welche zur Taufe von 3000 Leuten führte. Der Hintergrund für diese Deutung dürfte in dem Umstand gelegen haben, daß die Zuhörer der Apostel zwar aus vielen Ländern, aber alle ausnahmslos als Juden herbeigekommen waren, und zwar als solche, die im Kontext ihrer Wallfahrt nach Jerusalem mit einer typisch jüdischen Messias-Erwartung erfüllt, ihre Reise angetreten hatten. Nach dem Begeisterung auslösenden Zündfunken braucht man dann nicht lange suchen.

Auf diesem Hintergrund wird dann auch der andere Teil des Berichtes der Apostelgeschichte verständlich. Das angebliche Sturmesbrausen wird als ein solches, nämlich ein "als ob" Phänomen beschrieben. Die Anwesenden empfanden es als ein Sturmesbrausen. Wind, Luftbewegung, war unsichtbar und wurde daher gerne als Zeichen für Gottes Anwesenheit und Wirken metaphorisch benutzt. Ähnlich erinnern die Feuerzungen an die Gottesoffenbarung im brennenden, aber nicht verbrennenden Dornbusch. Heiliger Geist, Gottes Geist, offenbart sich den Aposteln in diesen bekannten Naturphänomenen.

Entscheidend sind jedoch alle diese Zeichen in keiner Weise. Sie sind nicht die eigentlichen Inhalte der Pfingstbotschaft. Sie haben keinerlei Beweiskraft. Bedeutsam für uns heute ist allein die Tatsache, daß damals Menschen, eben die Apostel, unter dem Eindruck ihrer persönlichen Erlebnisse und unter Einschluß der Hingabe des eigenen Lebens diesen Jesus von Nazareth als den Messias des Judentums bezeugten, weil der Heilige Geist ihre Zungen lenkte.

Die Urkirche des Paulus
Das Paulus-Jahr und der Zölibat

Daß die Ehelosigkeit für Priester nicht wesentlich mit deren Amt verknüpft ist, hat sich inzwischen allgemein herumgesprochen. In der sogenannten Urkirche waren die Priester im Normalfall verheiratet und so auch Petrus, der erste Bischof von Rom. In diesem Zusammenhang ist es möglicherweise nicht ohne Belang, daß der jetzige Papst für 2008 ein Paulus-Jahr ausgerufen hat. Wenn man nämlich fragt, was Paulus damals von den Bischöfen, Priestern und Diakonen forderte, dann macht man eine erstaunliche Entdeckung: Als Grundbedingung für die Ausübung dieser Ämter verlangt er nämlich den Nachweis einer gelungenen Ehe und wohlerzogener Kinder, so nachzulesen im 1. Brief an Timotheus 3,1-13 und an Titus 1,5-9. Die Begründung klingt überzeugend: "Wer seinem eigenen Hauswesen nicht vorstehen kann, wie soll der für die Kirche Gottes sorgen?" (1 Tim 3,5). Anläßlich des Paulus-Jahres könnte der Papst es den Ortsbischöfen erlauben, nach den Grundsätzen des Apostels zu verfahren. Die Bischöfe wären dann frei, im konkreten Fall nach eigenem Ermessen zu verfahren und auch bewährte Familienväter zu Priestern zu weihen.
Erzbischof Zollitsch befindet sich also mit seinen Feststellungen zum Zölibat in bester apostolischer Gesellschaft.

 


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