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"Latein bedeutet für mich die Kongruenz von Ästhetik und Funktion. Das gibt es wohl in keiner anderen Sprache so. Ich sehe darin eine Nähe zur Kunst, wo auch Form und Inhalt zur Deckung kommen (sollten). Mich fasziniert immer wieder, daß die Sprache nicht einfach nur schön und daneben auch äußerst effizient und funktional ist, sondern daß das eine das andere bedingt. Indem sie schön ist ist sie funktional, und indem sie funktional ist, ist sie schön."
Burghard Müller-Dannhausen

Für alle, denen Lateinlernen schwerfällt, hier meine  Amanda-Übung  zu schwierigen Grammatikthemen. Wer eine Nachprüfung in Latein machen muß, wird sicher Nutzen davon haben.

Nachhilfestunden sind teuer. Selber lernen muß man sowieso. Noch Fragen? Dann mailen!

  burghard@schmanck.de

Für Schüler und Eltern finden sich rund um den Lateinunterricht wertvolle Informationen auf der Heimseite der Fachschaft
Latein am Goethe-Gymnasium in Emmendingen (GGE

Recht kostengünstige Hilfen für verschiedene Fächer gibt es unter dem Titel
"Sofatutor".

Die Geschichte von Amanda und Amandus
ein Kurzkurs zur Wiederholung wichtiger lat. Grammatikkapitel


Die folgenden Erlebnisse von Amanda und Amandus können natürlich nur die Schulgrammatik ergänzen, keinesfalls ersetzen. Die Textbeispiele des jeweiligen Lehrbuches muß man für den gewünschten Erfolg in der Schule ebenfalls beherrschen. Besonders wichtig sind die Deponentien. Lernen! Lernen! Lernen!

Wiederholung und Vertiefung zu Gerundium, Gerundivum, Partizipial- und Infinitivkonstruktionen.
Bei Lateinbeginn in Jahrgangsstufe 7 gegen Ende der 9. als Vorbereitung auf die Nachprüfung für die Versetzung in die 10. geeignet.

Hier geht's los:

Darf ich vorstellen: Die  beiden Net-Assistenten "Amanda" und "Amandus".

"Amanda" heißt nicht nur so. Sie ist auch, wie ihr Name schon sagt, eine "liebenswerte" junge Dame. Sie ist einfach eine, "die man lieben muß", also "eine zu Liebende". Weil dieser wunderschöne Name von "amare" kommt, also von einem Verbum, anderseits aber dekliniert wird, also im Sinne der KNG-Kongruenz angepaßt werden muß, wird diese Form als "Verbal-Adjektiv" bezeichnet. Dieses Verbal-Adjektiv heißt in unserer Fachsprache "Gerundivum".

Wenn auch demnach dieses Gerundivum ein "passives Müssen" bezeichnet, so wird "Amandus" sich sicherlich erst gar nicht lange bitten lassen. Er sieht Amanda und stellt sofort fest: "Amanda amanda est." Amanda heißt nicht nur so. Sie ist es auch, nämlich einfach "liebenswert". Dann kommt er ihr näher und schon funkt es kräftig. Amandas geradezu umwerfende Wirkung auf sich drückt er im Dativ aus. "Amanda amanda mihi amanda est." "Die liebenswerte Amanda ist mir eine zu Liebende."

Es mag Leute geben, die selbst im Fernsehen Schwierigkeiten mit dem Dativ haben. Das unterscheidet sie von meinem Assistenten Amandus. Er sagt dasselbe auch ohne Dativ auf Deutsch: "Diese liebenswürdige junge Dame muß ich einfach lieben."

Die Liebesgeschichte meiner beiden Assistenten endet weder einseitig noch tragisch. Amandus heißt nicht nur so. Er ist ein durchaus liebenswerter junger Mann. Amanda sieht ihn, hört seinen Namen und sagt begeistert: "Amandus amandus est." ("Den muß man einfach mögen!") Als sie dann merkt, wie auch ihr Herzschlag sich beschleunigt, kommt sie zu der keineswegs überraschenden Feststellung: "Amandus mihi amandus est." Die beiden kommen offensichtlich aneinander nicht vorbei. Sie sind ineinander völlig verknallt. Liebe ist eine Himmelsmacht, ein unausweichlicher Zwang, eben ein passives Müssen.

Diese Zwangsläufigkeit läßt sich abschließend aus zweierlei Gesichtswinkeln ausdrücken: Amanda amanda Amando amando amanda est. Etiam Amandus amandus Amandae amandae amandus est. Die alten römischen Götter haben unwiderruflich entschieden. Die beiden liebenswerten jungen Leute sind für einander bestimmt. Wer sich mit dieser Liebesgeschichte genauer befaßt, könnte sogar eine Klassenarbeit über das Gerundivum schaffen.

Damit die Geschichte weitergeht, halten die Römer eine weitere wichtige Verbform vorrätig, nämlich den substantivierten Infinitiv, also ein Verbalsubstantiv. Der Fachausdruck lautet: Gerundium. Während jedoch das Gerundivum wie bonus, bona, bonum dekliniert wird und im Sinne der KNG-Kongruenz alle Formen bildet, begnügt sich das Gerundium neben dem Infinitiv, der als Nominativ dient, mit den restlichen Fällen im Singular. Beispiel: laudandi/do/dum/do; das Loben, des Lobens ... Daß hier ein Plural sinnlos ist, versteht sich von selbst. Auch dann, wenn ein Windhund mit vier Beinen läuft, wird daraus kein Plural. Sogar das gleichzeitige Laufen von Tausenden seiner Art kommt mit dem Singular "das Laufen" aus.

Ars amandi (Gerundium) Amando discenda (Gerundivum) est. Die Kunst des Liebens ist dem Amandus eine zu lernende. Besser: Amandus muß die Liebeskunst erlernen. Amandam (Akk. Obj.) amando (Abl. Gerundii) artem amandi (Gen. Gerundii) discit. Indem er Amanda liebt, lernt er die Liebeskunst. "Faciendo discere" heißt sein Motto ( learning by doing).

Etiam Amandae ars amandi discenda est. Amandum amando artem amandi etiam Amanda discit. In dem Motto "faciendo discere" sind sich die beiden einig. Indem sie Amandus liebt, lernt auch Amanda die Liebeskunst.

Durch die Begegnung mit der "Amanda amanda" wurde aus dem bekanntlich ebenfalls "liebenswerten Amandus" ein "Amandus amans", ein "liebender Amandus". "Amandus Amandam amans" ist also ein Amanda liebender Amandus oder ein Amandus, der Amanda liebt, oder auch einfach ein in Amanda verliebter Amandus. Das sogenannte Partizip Präsens aktiv drückt also eine aktive und mit einer übergeordneten Handlung gleichzeitige Tätigkeit aus. Die Abkürzung lautet: "PPA". Amandus Amandam amans dormire non potest. Der in Amanda verliebte Amandus kann nicht schlafen. Das "amans", also die Verliebtheit des Amandus ist gleichzeitig mit seiner Schlaflosigkeit. Eine kausale Übersetzung "Weil ..." ist hier auch richtig.

Da der Nominativ "amans" für alle drei Geschlechter gleich ist, kann man die beiden Personen austauschen, ohne "amans" zu verändern. Amanda Amandum amans kann daher auch nicht einschlafen.

"Amor Amandi amantis magnus est." zeigt die Verwendung des Genitivs. Das Gegenstück läßt sich mit "Amandae amantis" bilden.  Da "amans" gedanklich und durch Formübereinstimmung entweder mit Amandus oder Amanda verbunden ist, nennt man diese Verwendung "Verbundenes Partizip", also "Participium coniunctum", kurz: PC.

Eine besonders wichtige Bedeutung kommt dem PPA im Ablativ zu und zwar dann, wenn es ohne Verbindung mit einer Präposition im sogenannten "losgelösten Ablativ", im Ablativus absolutus steht. Amando amante gaudet Amanda. Weil Amandus verliebt ist, freut sich Amanda. Daß Amandus in Amanda und niemanden sonst verliebt ist, versteht sich von selbst. Das Subjekt des Ablativus absolutus - hier: "Amando" - kommt im übergeordneten Satz - Amanda gaudet - weder als Nominativ noch als Objektskasus vor. Sinn dieser Ablativkonstruktion ist, einen Sachverhalt äußerst knapp darzustellen. Da diese Konstruktion im Deutschen nicht existiert, muß der unterstellte Zusammenhang in der Übersetzung ausgedrückt werden. Amanda freut sich, weil Amandus sie liebt.  

Statt der Übersetzung durch einen Nebensatz gibt es im Deutschen noch eine andere Möglichkeit. Man macht aus dem Partizip "amante" ein Substantiv und übersetzt dann: Amanda freut sich über die Liebe des Amandus.

Die sicherste Übersetzungsmethode besteht darin, daß man einen erkannten Ablativus absolutus zunächst als deutschen Hauptsatz übersetzt: "Amandus liebt." Dasselbe macht man mit dem übergeordneten Satz: "Amanda freut sich." Den gemeinten Zusammenhang findet man durch hier natürlich recht einfaches Nachdenken. Man kennt ja die bisherige Geschichte. Also ergänzt man: "Deshalb freut sich Amanda."

Damit ist allerdings der erste Teil des Satzes noch reichlich unbestimmt. Amandus liebt schließlich nicht das Lieblingskaninchen von Amanda. Den Umfang der notwendigen Umstellungen und Ergänzungen zeigt die folgende Übersetzung: "Amanda freut sich, weil Amandus sie liebt." Es wurde sogar die Reihenfolge der einzelnen Aussagen verändert. Darin besteht die eigentliche Übersetzungsleistung. Auch noch korrekt übersetzt ist: "Amanda freut sich über Amandus' Liebe."

 Zur Übung kann man jetzt die handelnden Personen vertauschen: Amanda amante Amandus gaudet. Wenn Amanda verliebt ist, natürlich in Amandus, dann freut sich derselbe.

 Durch "Amando amante" wird logischerweise Amanda zu einer "Amanda amata", also zu einer "geliebten Amanda". Mit der Form "amatus, -a, -um" haben wir das "Partizip Perfekt Passiv" (PPP). Der Genauigkeit halber sei hier nochmals vermerkt, daß die Bezeichnungen PPA und PPP eigentlich kein Tempus, keine Zeitstufe bezeichnen, sondern nur ein Zeitenverhältnis. Ein "Amandus amans" (PPA) kann einen liebenden oder verliebten Amandus in Vergangenheit, Gegenwart oder auch Zukunft bezeichnen. Über "Amando amante" wird Amanda jederzeit höchsterfreut sein. Amandas Freude ist immer gleichzeitig mit der Liebe des Amandus. Dagegen kann eine "Amanda amata" 90 Jahre alt sein, wenn die Liebesgeschichte 70 Jahre her ist. Sie schwelgt dann in alten Erinnerungen. Das PPP hat also immer eine vorzeitige Bedeutung. Man freut sich erst, nachdem man im Lotto gewonnen hat. Anderseits kann jedoch ein vorzeitiger Vorgang eine Wirkung entfalten, die bis zu dem Zeitpunkt oder bis in die gesamte Zeit der übergeordneten Handlung andauert. Das hängt davon ab, wie günstig man seinen Lottogewinn anlegt. Amandus, amans und amatus, stürzte in eine Gletscherspalte. Amanda, ebenfalls amans und amata, blieb ledig in Trauer um ihren Amandus. Als Jahrzehnte später der Gletscher ihren jugendschönen "Amandum amatum"  frei gab, freute sie sich. Sie liebte ihn immer noch.

 Besonders zu beachten ist hierzu noch folgendes: Die Verbengruppe der "Deponentien" bildet das PPP mit aktiver Bedeutung. Eine "Amanda mortua" wäre dann eine tragische Folge von einem "Amando non amante". Amanda ging zugrunde wegen unerwiderter Liebe. Damit man sich hierbei nicht vertut, muß man die sogenannten Deponentien einfach vokabelmäßig auswendig gelernt haben. Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob eine "Amanda oblita" ihre Verabredung mit Amandus vergessen hat, oder von Amandus vergessen worden ist. Beides kommt im Leben vor. Hier hilft nicht Raten, sondern nur Wissen, also gründlich gelernt haben.

Wiederholen wir kurz: Dem "Amando amando amanti" entspricht auf der Gegenseite die "Amanda amanda amata", dem liebenswerten liebenden/verliebten Amandus die liebenswerte geliebte Amanda. Beispiele: Hoc facinus tibi laudandum est. Diese Tat ist dir eine zu lobende. / Diese Tat mußt du loben. (Gerundivum) Recte facere satis est ad bene beateque vivendum. Richtig handeln ist genug / genügt, um gut und glücklich zu leben. (Ad vivendum - typischer Gebrauch desGerundium im Akkusativ)

Es gibt auch Sinnzusammenhänge, in denen sowohl Gerundium als auch Gerundivum ohne Sinnunterschied benutzt werden. Amandus will Landwirt werden. Deshalb muß er "studium agrum colendi" (Gerundium) oder "studium agri colendi" (Gerundivum) besitzen. In der ersten Version ist "agrum" als Objekt zu "colendi" gedacht, im zweiten gilt "colendi" als Attribut zu "agri". Er muß "Eifer" besitzen, also "eifrig" seinen Acker bestellen. Dennoch darf Amandus in der Frühstückspause "Amandam videndi / Amandae videndae cupidus" sein, nicht nur, weil sie ihm das Frühstück aufs Feld bringt. - Man beachte: studium agrum colendi ist als Gerundium aktivisch zu verstehen als Eifer, der sich darauf richtet, den Acker aktiv zu bestellen. Beim gerundivischen Gebrauch dagegen, studium agri colendi,  ist der Eifer gemeint, der sich auf den "zu bestellenden Acker", also auf den Acker, der bestellt werden muß, richtet. Wenn Amanda verreist ist, hofft sie, daß Amandus etwas von der "ars scribendi epistulam / scribendae epistulae" versteht. Sie ist nämlich "cupidissima legendi epistulam / legendae epistulae  Amandi amati." Sie hat Glück. Amandus artis epistulae scribendae / epistulam scribendi peritissimus est. Anscheinend hat er noch schnell bei der VHS einen Literaturkurs belegt. "in legendis poetis / in legendo poetas" kommen ihm die besten Ideen für seine Liebesbriefe.

Bisher haben Amanda und Amandus mit Gerundium, Gerundivum, PPA und PPP ihre Liebesgeschichte erzählt. Auch in der deutschen Sprache kann man jedoch, wenn die "Verhältnisse" noch komplizierter werden, mit Infinitivkonstruktionen weiterdichten. Was sagen die beiden einander? Was sehen  oder hören sie? Wir haben gerade gelesen, daß Amandus studieren muß und Amanda verreist ist. Sie macht also Urlaub, allerdings nicht "von" Amandus. Der schreibt ihr nämlich Liebesbriefe und versucht dabei sogar den Dichter Catull zu übertreffen. "Cupio te videre. steht in seinem ersten Brief. "Ich sehne mich danach, Dich zu sehen." Hier stimmen deutsche und lateinische Grammatik noch wörtlich überein. "te" ist Objekt zu "videre".

Marcus, amicus Amandi, formuliert etwas anders: "Puto Amandum Amandam videre cupere." (Ich glaube, Amandus sehnt sich danach, Amanda zu sehen.) Das, was Marcus glaubt, formuliert er im sogenannten AcI, mit dem  Akkusativ "Amandum" als Subjekt (daher "Subjektsakkusativ") und dem Infinitiv  "cupere" als Prädikat (Prädikatsinfinitiv). Selbstverständlich ist "Amandam" das ersehnte Objekt und daher als "Objektsakkusativ" dargestellt. Dementsprechend glauben wir: Putamus etiam Amandam Amandum videre cupere. Wir glauben, auch Amanda möchte Amandus sehen. "Amandam" ist hier "Subjektsakkusativ" geworden, während "Amandum" zum "Objektsakkusativ" wurde. 

Das nächste Wochenende kommt bestimmt. Der Landwirtschaftspraktikant Amandus bekommt von seinem Chef  Kutsche und Pferd geliehen und weiß (scit) equum celerrime currere posse, daß das Pferd sehr schnell laufen kann. Weil das Pferd selber laufen muß, gilt "equum" als Subjekt zu "currere posse", also als "Subjektsakkusativ". Dementsprechend ist daher "currere" als "Prädikatsinfinitiv" zu verstehen. Amanda hofft (sperat) Amandum mox adventurum esse (daß Amandus bald kommen wird). Mit der Endung "-urum/-am/-um esse" verfügen die Römer über einen Infinitiv Futur mit aktiver Bedeutung. Wie wichtig dieser Infinitiv ist, weiß auch Amandus. "Etiam Amandus sperat se mox Amandam visurum esse." (..., daß er Amanda bald sehen wird.). Während das Pferd läuft und läuft, erinnert sich Amandus und sagt zu sich selbst: "Gaudeo me Amandam cognovisse." Er freut sich, Amanda kennengelernt zu haben. Die Freude ist gegenwärtig. "cognovisse" ist damit "vorzeitig". Die drei Infinitive (Präsens, Perfekt und Futur) bezeichnen demnach kein eigentliches Tempus, keine Zeitstufe, sondern nur ein Zeitenverhältnis. "cognovisse" ist "vorzeitig", "visurum esse" nachzeitig und "currere posse" "gleichzeitig". Ein Amandus, der hofft, Amanda kennengelernt zu haben, könnte auch Carola kennengelernt haben. Damals müßte es dann allerdings reichlich dunkel gewesen sein. Ein solcher Verlauf der Geschichte wäre recht seltsam und unglaubwürdig. Deshalb werden Ausdrücke des "Hoffens", "Drohens" und "Schwörens" im Lateinischen  mit dem Infinitiv des Futurs verbunden, wenn sich Hoffnung, Drohung oder Eid auf Zukünftiges beziehen. Amandus war immer  für klare Verhältnisse. Scit Amandam Amandam fuisse neque Carolam. Tatsächlich hatte er damals gar keine Wahl: Venit (er kam), vidit (er sah), victus est (und wurde besiegt).  

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