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Lenin
- Stalin - Putin und das Kyoto-Protokoll Wolfgang
Thüne Nach langem Zögern und massivem
Druck seitens der Europäischen Union, insbesondere auch der Bundesrepublik
Deutschland, will Russland nun doch endlich das Kyoto-Protokoll ratifizieren.
Wie die Vereinigten Staaten von Amerika so hatte auch Russland 1997 in Kyoto
das Protokoll unterzeichnet, das die Industrieländer verpflichtet, Schritt für
Schritt ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren, um die weitere Erderwärmung
zu stoppen und die drohende Klimakatastrophe zu verhindern. Um diese Verpflichtung den
Industriestaaten politisch schmackhaft zu machen, darf jeder Staat zunächst
kostenlos an seine Großindustrie Emissionszertifikate austeilen. Erlebt dann
ein Industriegigant einen wirtschaftlichen Aufschwung, dann muß er von seinem
Staat teure Emissionsrechte hinzukaufen. Dieses ganze gigantische Geschäft kann
aber nur funktionieren, wenn man nicht nur an die wundersame Geldschöpfung
sondern auch an die Wirkung des Handels, den dadurch zu erzielenden „Schutz des
Klimas“, glaubt. Blickt man in die
Entstehungsgeschichte der Sowjetunion zurück, dann wird verständlich, warum der
russische Präsident und Schröder-Freund Wladimir Putin doch noch dem Drängen,
sich dem „Klimaschutz“ nicht zu verwehren, nachgegeben hat. Hilfreich für
dieses Verständnis ist ein Büchlein „Elektrizität rings um uns“ von A. P.
Beljakow, das im Jahre 1954 in der „DDR“ im Kinderbuchverlag Berlin
herausgegeben wurde. In dem Büchlein, für Schüler ab
12 Jahre geschrieben, lesen wir: „Die sowjetische Gesellschaftsordnung, die
fortschrittlichste der Welt, und die Elektrifizierung, welche die
höchstentwickelte Form der industriellen Technik darstellt, bilden die
Grundlage für den Aufbau des Kommunismus. Hierüber hat der große Lenin die folgenden
denkwürdigen Worte gesprochen: “Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus
Elektrifizierung des ganzen Landes“. …Lenin und Stalin lehrten, daß es ohne
reichliche Versorgung der Werktätigen mit allem zum Leben Notwendigen, ohne
eine stürmische Entwicklung der Arbeitsleistung auf der Grundlage der
Elektrifizierung des ganzen Landes unmöglich ist, das Glück der Menschheit –
den Kommunismus – aufzubauen. …Um die Rückständigkeit und Zerrüttung der
Volkswirtschaft eines riesigen Landes zu beseitigen, war ein genauer,
wissenschaftlich begründeter Plan notwendig. Darum wurde nach einem Vorschlag
Lenins zur Aufstellung eines solchen Planes die Staatliche Kommission zur
Elektrifizierung Russlands, abgekürzt „Kommission GOERLO“, gegründet.“ Der Plan
wurde erfüllt. Doch, so heißt es weiter: „Lenin
erlebte nicht mehr die volle Verwirklichung seiner herrlichen Idee, die
Elektrifizierung des Landes. Diesen großen Plan verwirklichte das sowjetische
Volk unter der Führung Stalins, des genialen Nachfolgers Lenins.“ Doch was wäre
der Mensch, wenn er nicht gleich in Träume und Wunschvorstellungen verfallen
würde und Utopien nachhinge? Typisch für
den sozialistischen Wirklichkeitsverlust ist folgende Vision: „Jahrhunderte und Jahrtausende
haben die Menschen davon geträumt, die Welt zu verändern, frei und freudig zu
arbeiten und zu leben. Diese in den Märchen überlieferten Wunschträume sind in
der Sowjetunion bereits in Erfüllung gegangen. Die unter der Leitung der Partei
Lenins und Stalins vom großen sowjetischen Volke durch die Elektrifizierung
geschaffene gewaltige Technik erlaubt es, die Natur umzugestalten, das Klima zu
verändern, die Dürren abzuwenden, aus Wüsten blühende Gärten zu machen und ein
schöneres Leben zu schaffen, als es in den Märchen dargestellt wird. Zur Entwicklung
dieser Technik haben die Söhne des sowjetischen Volkes – ihre
fortschrittlichsten Wissenschaftler, Ingenieure und Erfinder – nicht wenig
beigetragen.“ Doch die Vision ist noch nicht am
Ende, die Phantasie greift weiter aus: „Mit Hilfe der Elektrizität wird auch
der alte Wunsch der Menschheit, das Wetter zu regieren, Wirklichkeit werden:
Bei Trockenheit wird man durch starke elektrische Apparate – Konzentratoren –
die Wolken verdichten und in Regenwolken umwandeln können. Oder man wird, was
noch vorteilhafter ist, gigantische elektrische Regenmaschinen einsetzen. An
trüben Tagen wird man den Wolkenvorhang beseitigen können, der die Sonne
verdeckt; man wird Regenwolken ableiten und zerstreuen können; die Wissenschaft
wird Wege finden, um an heißen Tagen die Schwüle zu vermindern und an kalten Tagen
den starken Frost. Es werden einige Jahre vergehen, und durch eine mächtige
Elektrotechnik und Elektrifizierung des ganzen Landes wird das Sowjetvolk unter
der Leitung der Partei Lenins und Stalins eine nie dagewesene
Arbeitsproduktivität erreichen. Damit wird für Millionen Menschen, für die
Schöpfer der kommunistischen Gesellschaft, ein Überfluß an allen zu einem
glücklichen Leben erforderlichen Gütern vorhanden sein.“ Diese utopischen Wunschträume
sind zerplatzt wie eine Seifenblase. Das Sowjetvolk war des ewigen Wartens auf
das „glückliche Leben“ überdrüssig. Doch Träume sind unzerstörbar, insbesondere
derjenige, das „Wetter zu regieren“ und das „Klima zu verändern“. Wenn
Präsident Putin das Kyoto-Protokoll durch die Staatsduma ratifizieren läßt,
dann sollte er daran denken, wie im vergangenen Jahr sein Versuch, anlässlich
der 300-Jahr-Feier von der Stadt St. Petersburg von der Ostsee heranziehende
Regenwolken zu zerstreuen, jämmerlich und kläglich scheiterte. Der alte Wunsch
der Menschheit, das Wetter zu regieren, wird ein Wunsch bleiben, ob mit oder
ohne Kyoto. Geld mag die Welt regieren, aber nicht das Wetter! Oppenheim, dem 1. Oktober 2004 |
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