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HALBERSTADIUM, Urbs Saxoniae tam politica institutione, quam situ et Canonicorum Collegio nobilissima.
HALBERSTADIUM.

HALBERSTADIUM, primaeva fundatione, Elborestadium, Saxoniae in Germania oppidum, Episcopatui ejus nominis, adpellationem praebens, a Carolo Magno, nunquam satis laudato Galliarum Rege, et Imperatore Romano instituto, qui longa experientia, belloque diuturno cum Saxonibus gesto, edoctus, cognovit eam gentem, utputa infrenem, fortem atque ferocem, armorum strepitu minus domari, bencuolentia autem, legibus, pietate, et Religione placari et conservari posse. Hinc multorum, qui tunc temporis aurei pedum circunferebant ligneum, Episcoporum gubernationi, et spirituali curae eam commisit. Quemadmodum et Anno salutis DCC.LXXX. non quidem Halberstadij, sed apud Selingenstadium, sive Ostervvicum, quo in loco idem Carolus Magnus magnificum templum, D. Stephano sacrum, construxit, opportuna Episcopo sedes delecta et constituta est, usitata tum adpellatione, Selingenstadiani, et Ostervvicensis Episcopatus, innotescens, longo vero post tempore, ut scribit in sua Saxonia Crantius, et in opere de Episcopatibus Germaniae Bruschius, ab eodem Carolo Magno et primo Antistite, S. Hildegrino, ad Confluentiam Albis et orae fluviorum translatus. Hic novae urbi, et Ecclesiae iam inchoatae, ab amnium confluxu, novum etiam nomen indiderunt, appellantes eam Alborestadium, quasi urbem ad Albin, et Oram amnes, constitutam, unde facile adparet, situ eam admodum opportuno, cum praeter aquarum commoditatem, agrorum etiam non sit ei denegata ubertas: quae quidem tanta depraedicatur ab omnibus, ut segetum culmos, equitem transcendere ferant. Accedit ad haec, nitor et elegantia urbis, aedificiorum splendor, amplitudo fori, et collegiatum Canonicorum sodalitium. In quo, dum canonicè Canonici viverent, clarum adhuc poenitentiae publicae, in primitiva Ecclesia usitatae, extabat vestigium. Cuius quidem rei consuetudinem Pius Pontifex, et post hunc, Volateranus, in literas retulerunt, sed velut ritum barbaricum: neuter enim intellexit. Volateranus institutum vocat inauditum: Est autem huiusmodi. Singulis annis eligitur aliquis ex plebe, qui Comoediam poenitentis et confitentis agat. Is in capite ieiunij Quadragesimalis ad templum adductus, in cultu lugubri, et qui poenitentem deceat, nimirum caput obvolutum habens, post Sacrum deinde eijcitur, perque totos illos quadraginta dies, nudis pedibus vias urbis terit, templorum moles circuit tantum, non intrat, nec cum quoquam sermonem miscet. Canonici huic cibum praebent, quem ille, qualem qualem, boni consulit, non indulget sermoni, nisi post mediam noctem, idque in plateis. At in die, quae Domincae coenae dicata est, ad templum reducitur, et a Sacerdote, non absque longis, sed pulchris ceremonijs absolutus, a plebe stipem accipit. Hunc Adamum vocare solent. Atque hoc est, quod nonum caput Agathensis Concilij praecipit, et refertur etiam a Gratiano, Distictione 50. Est autem tale: In capite Quadragesimae, omnes publice confitentes ante fores Ecclesiae se repraesentent Episcopo civitatis, sacco induti, nudis pedibus, vultibus in terram prostrati, reos se esse ipso habitu, et vultu proclamantes: ibi adesse debent Decani, id est, Archipresbyteri, Presbyteri Parochiarum, Presbyter poenitentium, qui eorum conversationem diligenter inspicere debent, et secundum modum culpae poenitentiam per praefixos gradus iniungant. Post haec Episcopus in Ecclesiam eos introducat, et cum omni clero septem Psalmos poenitentiales, in terram prostratus cum lachrymis, pro eorum absolutione decantet, tunc resurgens ab oratione, iuxta quod canones iubent, manus eis imponat, aquam super eos benedictam spargat, cinerem prius mittat, deinde cilicio capita eorum cooperiat, et cum gemitu et crebris suspirijs eis denuntiet, quod, sicut Adam proiectus est de Paradyso, ita et ipsi de Ecclesia pro peccatis suis abijciantur. Post haec iubeat ministris, ut eos extra ianuas Ecclesiae expellant, clerus vero prosequutus eos cum Responsorio, in sudore vultus tui, etc. ut videntes sanctam Ecclesiam pro facinoribus suis tremefactam atque commotam, non parvi pendant poenitentiam. In sacra autem Domini Coena, rursus ab eorum Decanis et Presbyteris Ecclesiae liminibus repraesententur. Hactenus decretum Agathensis Concilij, partim antiquitatis amore, partim occasione consuetudinis Halberstadensis Ecclesiae, prolixius retulimus.

Halberstadt, eine Stadt Sachsens, sowohl durch seine politische Einrichtung als auch durch seine Lage und das Kollegium der Domherren hochberühmt. 

Halberstadt 

Halberstadt hieß bei seiner ursprünglichen Gründung Elborestadt und ist ein Ort Sachsens in Germanien. Dem Bistum dieses Namens gibt es die Bezeichnung. Die Gründung geht auf Karl den Großen, den König Galliens und Römischen Kaiser, zurück, dessen Ruhm jedes Lob übertrifft. Dieser hat in einem ausgedehnten Versuch und durch Führung eines langdauernden Krieges mit den Sachsen die klare Erkenntnis gewonnen, daß dieses Volk so ungezähmt, tapfer und mutig ist, daß es durch Waffengeklirr nicht zu bezwingen ist, aber durch wohlwollende Behandlung, Gesetze, Frömmigkeit und Religion gemildert und erhalten werden kann. Deshalb hat er dieses Volk der Führung und geistlichen Fürsorge zahlreicher Bischöfe anvertraut, welche im damals goldenen Zeitalter einen hölzernen Hirtenstab umherführten. Auf diese Weise wurde auch im Jahre des Heils 780 zwar nicht in Halberstadt, aber bei Selingenstadt bzw. Osterwieck, an welcher Stelle Karl der Große eine prächtige Kirche, die dem heiligen Stephanus geweiht war, errichtet hat, ein für einen Bischof geeigneter Sitz ausgewählt und gegründet. Nach damaligem Brauch hieß dieser das Selingenstädter oder Osterwiecker Bistum. Lange Zeit danach wurde der Bischofssitz, wie Crantius in seiner Saxonengeschichte beschreibt und auch Bruschius in seiner Bistumsgeschichte Germaniens, von demselben Karl dem Großen und dem ersten Bischof, dem heiligen Hildegrin, an den Zusammenfluß der Flüsse Elbe und Ohre verlegt. Hier gab man der neuen Stadt und der bereits gegründeten Kirchengemeinde vom Zusammenfluß der Ströme her auch einen neuen Namen. Man nannte sie Alborestadt, also die an den Flüssen Elbe und Ohre gegründete Stadt. Von daher ist leicht zu ersehen, daß diese durch ihre recht günstige Lage sowohl über die Vorteile der beiden Flüsse als auch eine überreiche Fruchtbarkeit der Äcker verfügte. Letztere wird von allen als  derart groß beschrieben, daß das Korn auf den Feldern sogar einen Reiter überragte. Weiteres kam noch hinzu: Die Schönheit und Eleganz der Stadt, der Glanz der Gebäude, die Weite des Marktplatzes und auch die Stifts-gemeinschft der Domherren. Solange in dieser die Domherren den kirchenrechtlichen Bestimmungen gemäß lebten, gab es noch die Spur einer in der Urkirche gebräuchlichen öffentlichen Bußübung. Diesen Brauch haben Papst Pius und nach diesem Volateranus beschrieben, aber als einen barbarischen; keiner von beiden hat ihn nämlich verstanden. Volateranus bezeichnet ihn eine unerhörte Einrichtung. Dabei handelt es sich jedoch um folgendes: Jedes Jahr wird aus dem einfachen Volk jemand ausgewählt, der die Komödie eines Büßenden und Schuldbekenners aufführen soll. Am Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit wird dieser zur Kirche geführt. In einer jammervollen Veranstaltung und, wie es sich für einen Büßer geziemt, nämlich mit verhülltem Haupt, wirft man ihn am Ende der heiligen Handlung hinaus. Die ganzen 40 Tage der Fastenzeit geht er barfuß durch die Straßen der Stadt. Die Kirchen umschreitet er nur, betritt sie aber nicht. Mit keinem Menschen spricht er ein Wort. Die Domherren geben ihm Speise, welche jener, wie sie auch beschaffen sein mag, für gut befindet. Er führt kein Gespräch, außer nach Mitternacht und das auf den Straßen. An dem Tage aber, welcher dem Herrenmahl geweiht ist, wird er zur Kirche zurückgeführt und von einem Priester in einer kurzen, aber schönen Zeremonie losgesprochen und erhält vom Volk einen Lohn. Diesen pflegen sie Adam zu nennen. Dies aber ist es, was das neunte Kapitel des Konzils von Agde vorschreibt und was auch von Gratianus in der 50. Unterscheidung berichtet wird. Dort steht es so: Am Beginn der Fastenzeit sollen sich alle, die ein öffentliches Schuldbekenntnis ablegen wollen, vor den Kirchentüren dem Bischof ihrer Stadt zeigen, mit einem Bußgewand bekleidet und barfüßig. Mit zu Boden gesenktem Blick sollen sie durch ihre Haltung und Miene zeigen, daß sie schuldig sind. Dort müssen auch die geistlichen Würdenträger anwesend sein, also die Erzpriester, die Priester der Pfarreien und der Beichtpriester. Ihre Aufgabe besteht darin, den Lebenswandel derselben sorgfältig zu überprüfen und ihnen nach dem Maße ihrer Schuld eine Buße in vorher festgelegten Abstufungen aufzuerlegen. Darauf soll der Bischof sie in die Kirche geleiten und für ihre Lossprechung mit der gesamten Geistlichkeit sieben Bußpsalmen absingen, den Blick zur Erde gerichtet und unter Tränen. Darauf erhebt er sich vom Gebet und muß ihnen nach den kirchengesetzlichen Vorschriften die Hand auflegen, geweihtes Wasser über sie aussprengen, sie zuerst mit Asche bestreuen und anschließend ihr Haupt mit einem Bußgewand bedecken. Unter Stöhnen und zahlreichen Seufzern soll er ihnen dann verkünden, daß so, wie Adam aus dem Paradies geworfen wurde, auch sie selber für ihre Sünden aus der Kirche hinweggejagt würden. Danach soll er den Dienern befehlen, sie hinaus vor die Kirchentüren zu treiben. Die Geistlichkeit aber begleitet sie mit dem Wechselgesang „Im Schweiße deines Angesichtes …“ Daran sollen sie sehen, daß die heilige Kirche ihrer Sünden wegen erzittert und erbebt und eine nicht geringe Buße zahlen. Am Tage des heiligen Abendmahles des Herrn aber sollen sie von ihren geistlichen Würdenträgern und den Priestern an der Kirchenschwelle vorgeführt werden. Insoweit haben wir den Beschluß des Konzils von Agde teils aus Liebe zum Altertum, teils angelegentlich des Brauches der Halberstädter Kirche, etwas ausführlicher dargestellt.

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